Der treue Freund

Ein Wolf ging seiner Wege, als er plötzlich das Gejaule eines Artgenossen vernahm. Er erkannte seine Laute nicht, was wiederum sein Interesse weckte, denn er wollte in Erfahrung bringen, aus welchem Land der Besucher gekommen war. Doch als er ihn entdeckte, sah er, dass es ein Hund war, der da weinte.

«Hey, du da! Warum jaulst du?»

Der Hund strich sich die Tränen von der Schnauze. «Meine Herrin ist gestorben, und nun weiss ich nicht, wem ich folgen soll.» Da begann der Wolf zu lachen, dass sein ganzer Körper bebte.

«Du hast die Freiheit geschenkt bekommen und weisst nicht, was du mit ihr anfangen sollst?»

Der Hund stutzte. «Was ist das, Freiheit?»

«Das weisst du nicht? Wenn du selber entscheiden kannst, wohin du gehen möchtest. Wenn du allein entscheidest, welches Tier du als Nächstes jagen und fressen möchtest und dir deinen Schlafplatz nach deinen eigenen Wünschen suchen gehst.»

Das gefiel dem Hund nicht.

«Ich musste nie selber jagen, und auch mein Schlafplatz wurde mir immer angerichtet, weich und trocken. Sie zeigte mir immer den Weg, und ich war niemals allein und wurde geliebt. Kann ich nicht ein Stück des Weges mit dir gehen? Ich weiss nicht, wie man Tiere tötet.»

Der Wolf verzog verächtlich sein Maul.

«Du sollst mit meiner Art verwandt sein? Das kann ich nicht glauben. Ich werde dich nicht mitnehmen. Du musst dich zurückbesinnen auf deine Natur und alles selber lernen. Wenn du an dich glaubst und dir selber Liebe schenkst, wird der Rest leicht zu erlernen sein. Ich rate dir, dich nicht an den Nächstbesten zu heften, sonst lernst du nie, dich selbst zu versorgen. Und du bist ein Freund der Menschen, die unseresgleichen ausrotten wollen. Der Umgang mit dir ist für mich viel zu gefährlich. Lebe wohl», sprach der Wolf und war verschwunden.

 

 

 

 

 

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